10 Jahre Berchumer Kirchensonne: Ein Erfolgsmodell!

 

Am 19. Oktober 2001, also vor über 10 Jahren, ging in Berchum die drittälteste und seinerzeit größte Fotovoltaikanlage des Kirchenkreises auf dem Dach des ev. Gemeindehauses Berchum zunächst mit 5 kW Leistung, ein Jahr später mit zusätzlich 2,5 kW in Betrieb (Foto siehe weiter unten). Zum 10-jährigen Jubiläum hat die als „Berchumer Kirchensonne“ getaufte Anlage über 58.000 kWh sauberen“ Strom aus Berchumer Sonnenlicht Strom in das öffentliche Netz ein­gespeist. (vermiedener CO2-Ausstoß 38,9 t).

Das Sonnenkraftwerk werkelt störungsfrei und lautlos vor sich hin. Regelmäßig wird die Wirkungsweise der Solarzellen und Wechselrichter interessierten Besuchergruppen aus nah und fern demonstriert und in Vorträgen (z.B. vom Umweltausschuss des Kirchenkreises Iserlohn) erläutert. Dabei führt der Solarlehrpfad Berchum ja direkt über das Gemeindehaus-Grundstück mit zwei Schautafeln zur Solarstromerzeugung und nachwachsenden Rohstoffen.

Die Abbildung zeigt, dass die „Solarernte“ über die Jahre eigentlich kaum abgenommen hat, die Zellen und Wechselrichter nicht ermüden. Die Module mussten auch weder gereinigt noch gewartet werden. Das „sonnigste“ Jahr mit den höchsten Erträgen war 2003. Und 2002 waren erst 5 kW am Netz, daher der geringere Ertrag.

Die ca. 7.000 Euro, die seiner­zeit im Rahmen der Finanzierung aus Mitteln der Kirchen­gemeinde als Eigenleistung aufgewendet wurden, konnten aus der bisheri­gen Einspeise­vergütung von knapp 30.000 Euro längst zurückgezahlt werden, auch die Kosten der Erweiterung im Oktober 2002. Seit 2007 stehen die Einnahmen von jährlich ca. 3.000 Euro aus dem Projekt „Berchumer Kirchensonne“ dem Gemeindehaushalt zur Kompensation der Kürzungen bei anderen Quellen zur Verfügung. Da noch Platz auf dem Dach ist, wäre es jetzt angebracht, eine 2. Erweiterung vorzunehmen, die sich in wenigen Jahren wieder von allein bezahlt macht.

Die Einsparung von ca. 39 Tonnen Kohlendioxyd mit einer zukunftsfähigen Solarstromanlage rechnet sich also doch! Die Fotovoltaik-Anlage kann übrigens jederzeit besichtigt werden.

 

Auch 2011 war für die Betreiber von Solarstromanlagen wieder ein ertragreiches Jahr. Viele Mit­bürger haben in diese Zukunftstechnologie investiert und damit eine Wertschöpfung ermöglicht, die zum Großteil im Lande bleibt, Arbeitsplätze schafft und zudem Strom aus Kohle oder Kern­kraft ersetzt – gut für das Klima unseres Planeten. Auch wenn im Januar 2012 die Einspeise­vergütung erneut gesenkt wird,. ist es nicht zu spät, in Berchum weitere Solarstromanlagen zu installieren. Seit 2009 kann der damit erzeugte Strom auch selbst verbraucht werden und man erhält dafür einen zusätzlichen Bonus.

Langsam setzt sich die Einsicht durch, dass der Temperaturanstieg auf der Erdoberfläche mit dem weltweiten übermäßigen Kohlendioxydausstoß der letzten 50 Jahre zusammenhängt. Die klimaschädlichen Gase, die bei der Verbrennung von Öl, Gas und Kohle freigesetzt werden, führen zum Anstieg des Treibhauseffekts. Als Folge schmelzen die Gletscher in den Bergen und die Eisberge; der Meereswasserspiegel steigt, Wirbelstürme entstehen vermehrt über dem warmen Meer, mit katastrophalen Folgen für die betroffene Bevölkerung, von Tieren und Pflan­zen ganz zu schweigen. Naturkatastrophen treten häufiger auf: Hurrikane, Wirbelstürme jetzt auch in Europa, sintflutartige Regenfälle mit dramatischen Überschwemmungen. Die Reichen haben sich dagegen rechtzeitig versichert – die Armen bekommen allerdings kaum Entschädi­gungen. Nun aber melden sich zunehmend auch die Banken und Versicherungen zu Wort: die Abhängigkeit vom Öl stelle eine Gefahr für die Volkswirtschaft dar, nicht nur wegen der drama­tischen Kostenexplosion, sondern auch wegen der Milliardenbeiträge, die für die Schadens­regulierung aufgewendet werden müssen. Dies führt wiederum zur Erhöhung der Versicherungs­prämien, und das dafür aufgewendete Geld fehlt den Verbrauchern für andere Ausgaben, etwa für Konsumgüter oder langfristige Investitionen.

Die Verschwendung der immer knapper werdenden Öl-, Gas- und Kohlereserven und der hemmungslose Preisauftrieb der Energiekonzerne führen zu Ausgaben, die wir dringender in der Krankenversorgung, Familienpolitik oder Rentenversorgung bräuchten. So setzt sich auch in der Wirtschaft langsam die Erkenntnis durch, dass ein behutsamer Umgang mit den natürlichen Ressourcen (Bewahrung der Schöpfung) sich durchaus rechnet. Vergleichen Sie doch mal Ihre Energierechnung (Strom, Heizung) mit der vor 10 Jahren!

Und 2012 werden weitere Strom- und Gaspreiserhöhungen stattfinden: das ist so sicher wie das „Amen“ in der Kirche. Wohl dem, der sich schon jetzt um alternative Energien kümmert, die nicht aus dem Ausland eingeführt werden müssen und die sich ständig erneuern, ohne die Umwelt zu belasten.

In Berchum wurden Ende 2011 bereits 48 Solarstrom­anlagen mit einer Gesam­tleistung von über 450 kW und 33 Warmwasser-Solar­anlagen mit über 300 qm Kollektor­fläche betrieben, zusätzlich wurden schon die ersten 12 Ölheizungen auf Holz­pellets umgestellt.

Es wäre ideal, wenn jeder Haushalt so viel Energie umwelt­freund­lich produzieren würde, wie er selbst benötigt. Eine Reihe von Berchumer Familien hat dieses Ziel bereits erreicht, und auch das Gemeindehaus hat ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Strom­erzeugung und Stromverbrauch. Es wäre eine Überlegung wert, ob auch Sie künftig lieber selbst umwelt­freundlich Energie produzieren! Es gibt noch reichlich freie Dächer in Berchum, und von den BINSE-Mitgliedern können Sie sich beraten lassen. am 11. Juni 2012 findet im Gemeinde­haus der nächste Solartreff zum Thema Fotovoltaikanlagen statt.

Herzlich willkommen!

 

Dr. Helmuth Küffner, im Januar 2012